

Foto: Der KZ-Außenlagerkomplex München-Allach, in dem Henk Sietsma vom 22. Dezember 1944 bis zur Befreiung am 30. April 1945 inhaftiert war. Foto:openstreetmap.org, CC BY-SA 2.0; Häftlinge des KZ-Außenlagers Allach jubeln über die Befreiung durch die US-Armee. Foto: Sydney Blau, Public Domain
Henk Sietsma - Ein weiterer Gerechter unter den Völkern aus dem KZ Dachau entdeckt - von Klemens Hogen-Ostlender
Von 73 ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau war bis vor Kurzem bekannt, dass sie von der Holocaust-Gedenkstatte Yad Vashem in Jerusalem als Gerechte unter den Völkern geehrt wurden, weil sie unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten geschützt hatten. Jetzt ist von uns ein 74., Hendrik Sietsma (Rufname Henk), entdeckt worden. Über den Niederländer gibt Yad Vashem im Verzeichnis der 28.707 Geehrten aus 51 Nationen nur den Hinweis, dass er „in einem deutschen Konzentrationslager“ gefangen war. Die niederländische Internetseite Oorlogsbronnen [„Kriegsquellen“] hat tief verborgen in ihrer Datenbank unter Henk Sietsmas persönlichen Angaben die Stationen seines Leidensweges nach der Verhaftung in seinem Heimatland im Jahr 1944 aufgelistet, darunter auch die letzte, Dachau. Henk Sietsma kam am 22. Dezember 1944 im Konzentrationslager an, wurde nach Allach überstellt und blieb dort, bis eine amerikanische Infanteriedivision das Außenlager am 30. April 1945 befreite, einen Tag später als das KZ Dachau selbst.
Im Außenlagerkomlex München-Allach mussten gegen Kriegsende rund 17.000 KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene für das Großserienwerk München-Allach der BMW-Flugmotorenbau GmbH auf rund 80 Hektar Fläche Motoren für Kampfflugzeuge zusammenbauen. Das Gelände liegt heute im Gewerbegebiet MAN/MTU. Außerdem besaß der Komplex damals zwei Wohnlager von BMW, von denen eins auch für Zwangsarbeiter genutzt wurde, ein Lager für russische Kriegsgefangene, ein weiteres „Russenlager“, ein Lager der Organisation Todt, getrennt in Bereiche für Juden und Frauen sowie das KZ-Außenlager selbst mit einem Unterkunftsbereich für die SS.
Henk Sietsma war Widerstandskämpfer und gehörte zu der von seinem Bruder Hein Sietsma gegründeten Gruppe Hein, die seit Beginn der Massendeportationen in die Vernichtungslager im besetzten Polen mehrere Dutzend Juden vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten rettete. Wir werden über diese Gruppe, aus der elf Männer und Frauen von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt wurden, im Rahmen unserer Serie über dieses Thema berichten.
Quellen:
https://www.kz-dachau-allach.de/?Das_KZ-Aussenlager_Dachau-Allach
Weitere bisher veröffentlichte Biografien von Gerechten unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren: Link
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