

Bildtext: Foto Vad Vaschem, Rechte: Verein Selige Märtyrer von Dachau e.V.
Johanna van der Linde – Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau von Klemens Hogen-Ostlender
Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 6.137 aus den Niederlanden. Eine von ihnen ist Johanna van der Linde.
Die Isaacsons tauchen unter
Die jüdische Familie Isaacson lebte im niederländischen Hengelo, nicht weit von der deutschen Grenze und dem Rhein entfernt. Der 1893 geborene Sigfried Isaacson und seine elf Jahre jüngere Frau Clotilde Isaacson-Lievendag hatten drei Kinder: Eddy, Rini und Sonja. Sigfried war Ingenieur und 1921 nach Hengelo gekommen, wo er Clotilde kennenlernte. Sie waren eine glückliche Familie und hatten sogar ein Dienstmädchen, bis die deutsche Wehrmacht die Niederlande im Mai 1940 eroberte. Selbst in ihrer an sich ruhigen Stadt in der Provinz erkannten die Juden bald, dass ihr Leben in großer Gefahr war. Im Sommer 1942 begannen systematische Deportationen, angeblich in Arbeitslager in Deutschland, aber von keinem der verschwundenen Menschen hörte jemals wieder jemand irgendetwas. Im Februar 1943 tauchten die Isaacsons mit Hilfe ihres Nachbarn, eines Arztes, deshalb unter. Die Eltern, der Sohn und die beiden Töchter wurden getrennt untergebracht. Sigfried und Clotilde kamen nach Kampen zu Hendrik und Roelofje Bos. Beide waren Christen und sorgte sich sehr um das Schicksal ihrer jüdischen Mitbürger. Sie hatten schon vor den Isaacsons einige bei sich aufgenommen.
Widerstand aus christlicher Überzeugung
Hendrik war Zigarrenmacher und Mitglied „Anti-Revolutionaire Partij“ (ARP). Sie war eine bedeutende niederländische Partei mit einem streng protestantisch-reformierten Fundament. Bos’ politisches und religiöses Weltbild war maßgeblich dafür verantwortlich, dass er und seine Frau Roelofje sowie Johanna van der Linde während der deutschen Besatzung der Niederlande zahlreiche Menschen rettete. Johanna war eine gute Freundin des Ehepaars. Jeden Monat reiste sie mit der Bahn von ihrem Heimatort Hengelo ins 80 Kilometer entfernte Kampen in der Nähe des Ijsselmeers, um der Familie Bos Lebensmittelgutscheine und Geld für die Isaacsons zu bringen. Diese Fahrt war jedes Mal gefährlich. Zugverbindungen waren damals das übliche Mittel für Überlandreisen in den Niederlanden. Sie standen jedoch unter strenger Beobachtung durch die Besatzer, was sie für Mitglieder des Widerstands besonders riskant machte.
Durch ein Dienstmädchen denunziert
Die 1891 geborene Johanna war ledig und besaß in Hengelo ein Wäschegeschäft. Sie war nicht offizielles Mitglied einer Widerstandsbewegung, sondern handelte gewissermaßen „privat“ und aus christlicher Überzeugung. Da ihr Geschäft sie sehr in Anspruch nahm, hatte sie ein Dienstmädchen eingestellt. Diese junge Frau wurde Johannas enge Freundin. Zwischen ihnen entwickelte sich ein tiefes Vertrauensverhältnis. Leider wurde Johannas Vertrauen jedoch schmählich missbraucht. Das Dienstmädchen war nämlich mit einem niederländischen Polizisten befreundet. Die Deutschen hatten in eigens darauf angesetzt und dafür ausgebildet, im Untergrund lebenden Juden auf die Spur zu kommen. Im Laufe der Zeit erfuhr seine Freundin viele Einzelheiten darüber, wie Johanna Monat für Monat Lebensmittelgutscheine und Geld an versteckte Juden in Kampen verteilte. Das Dienstmädchen denunzierte seine Arbeitgeberin bei seinem Freund. Als der erfuhr, dass Johannas nächster Besuch in Kampen am 14. April 1944 stattfinden sollte, folgte er ihr in Begleitung von fünf Kollegen. Als Johanna im Haus der Familie Bos ankam, wurden Hendrik Bos, das Ehepaar Isaacson und Johanna van der Linde verhaftet. Roelofje Bos, die zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause war, entging der Gefangenschaft.
Über Westerbork nach Auschwitz
Die Familie Isaacson wurde über das Lager Westerbork nach Auschwitz gebracht, wo Siegfried ermordet wurde und Clotilde an Typhus starb. Über das Schicksal der drei Kinder der beiden sind keine Informationen überliefert. Hendrik Bos wurde zunächst für einige Monate ins deutsche Konzentrationslager Herzogenbusch in den Niederlanden deportiert. Da er wegen der Beherbergung von Juden als politischer Häftling galt, wurde er dort detailliert verhört. Die Bedingungen waren geprägt von Hunger und schwerer Zwangsarbeit, aber es bestand noch eine minimale Verbindung zur Heimat. Briefverkehr war gelegentlich erlaubt. Am 5. oder 6. September 1944 ging sein nächster Transport ins KZ Sachsenhausen nördlich von Berlin. Politische Häftlinge aus den Niederlanden wurden dort oft in den umliegenden Rüstungsbetrieben, zum Beispiel den Heinkel-Werken, eingesetzt. Gegen Ende des Krieges, als die Fronten näher rückten, wurden viele Häftlinge zwischen den noch offenen Lagern verlegt. Hendrik Bos wurde in das KZ Buchenwald bei Weimar transportiert. Es war zu diesem Zeitpunkt völlig überbelegt. Die hygienischen Zustände wurden katastrophal, Flecktyphus und andere Krankheiten wie Flecktyphus griffen um sich. Bos starb aus den Akten an den Folgen der Entbehrungen und der schlechten Behandlung am 1. Februar 1945.
Johanna überlebte fünfeinhalb Jahre
Von den vier Verhafteten überlebte nur Johanna van der Linde den Krieg. Sie war zunächst ebenfalls im KZ Herzogenbusch inhaftiert und wurde von dort am 8. oder 9. September mit hunderten von Leidensgenossinnen ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück im Norden der Provinz Brandenburg deportiert. Als politische Gefangene litt sie dort unter extrem harten Bedingungen. Auch dieses Lager war zu diesem Zeitpunkt durch die vielen Evakuierungstransporte aus dem Osten völlig überbelegt. Am 13. November 1944 kam Johanna nach einem mehrtägigen Bahntransport im Konzentrationslage Dachau an. Wie so gut wie alle weiblichen Häftlinge wurde sie von dort ins Außenkommando bei den Agfa-Kamerawerken in der Tegernseer Landstraße in München-Giesing geschickt, wo die Frauen unter anderem Zeitzünder für Flak-Granaten am Fließband montieren mussten. Am 23. April 1945 wurde das Werk geschlossen, weil die Produktion ohne Materialzufuhr aufgrund der zerstörten Transportwege zum Erliegen kam. Am 26. April begann für sie der Todesmarsch, der bei Wolfratshausen zwei Tage später mit der Befreiung von etwa 500 Häftlingen, unter ihnen Johanna van der Linde, endete. Johanna überlebte nach den unmenschlichen Haftbedingungen in den Konzentrationslagern nur noch fünfeinhalb Jahre. Sie starb am 1. Januar 1951 im Alter von 59 Jahren.
Der mit ihrem Dienstmädchen befreundete Polizist überlebte den Krieg nicht. Er war im September 1944, als viele Niederländer glaubten, der Krieg sei vorbei, von der Polizei desertiert und untergetaucht. Der Sicherheitsdienst des Reichsicherheitshauptamtes spürte ihn auf und tötete ihn. Das Dienstmädchen selbst wurde nach dem Krieg wegen Verrats vor Gericht gestellt und zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Hendrik und Roelofje Bos sowie Johanna van der Linde wurden von Yad Vashem am 23. Februar 2015 als Gerechte unter den Völkern geehrt.
Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link
Quellen:
https://collections.yadvashem.org/en/righteous/11085559
https://www.verzetsmuseum.org/dachau/johanna-van-der-linde
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Außenlager_München_(Agfa_Kamerawerke)
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Bildtexte: Jean Sévérain Lemaire 1943; Jean Sévérain Lemaire im Mai 1945; Jean Sévérain Lemaire 1975; Jean Sévérain Lemaire bei der Pflanzung seines Baums in Jerusalem 1976; Schwester Denise Bergon mit einem der in ihrem Internat versteckten Kinder. Alle Fotos: Rechte bei der Gedenkstätte Yad Vashem
Jean Sévérain Lemaire - Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau von Klemens Hogen-Ostlender
Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind, auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 4.303 aus Frankreich. Einer von ihnen ist Jean Sévérain Lemaire.
Kontakt mit dem Service André
Jean Sévérain Lemaire wurde am 4.Juni 1906 in der französischen Küstenstadt Le Havre an der Seinemündung geboren. In Marseille war er als Dozent für Bibelstudien tätig, ehe er dort 1938 Pastor der Gemeinde der Reformierten Kirche von Frankreich wurde. Als Intellektueller und frommer Christ weigerte er sich, die Verfolgung von Juden in der bis 1942 nicht von den Deutschen besetzten so genannten „Freien Zone“ Frankreichs durch das Regime von Vichy hinzunehmen. Ende 1941 lernte Lemaire Joseph Bass kennen, einen in Russland geborenen Juden. Er war in den Untergrund gegangen und hatte eine Rettungsorganisation namens Service André gegründet (Sein Deckname in der Résistance war (Monsieur André"). Der Pastor erklärte sich bereit, diese Organisation zu unterstützen. Sie tat alles Menschenmögliche um unabhängig von Religion, politischer Überzeugung oder anderen Kriterien Menschen zu retten, die von der Vichy-Regierung oder dem deutschen NS-Regime verfolgt wurden. Unter ihnen waren viele Juden.
Zuflucht in anderen Teilen Frankreichs
Der Service André war in der Umgebung von Marseille und entlang der Mittelmeerküste aktiv. Die Organisation zog Menschen vieler Glaubensrichtungen an, die sich der Risiken bewusst waren, die sie eingingen. Sonntags nach dem Gottesdienst versorgte Pastor Lemaire jüdische Flüchtlinge mit gefälschten Papieren und den Adressen von Menschen, die bereit waren, ihnen Unterschlupf zu gewähren. Jüdischen Erwachsenen half er, die Grenze nach Spanien zu überqueren oder unterzutauchen. Mit seiner Hilfe wurden jüdische Schützlinge unter anderem bei christlichen Familien oder in christlichen Jugendeinrichtungen untergebracht.
Eine seiner Verbündeten war Denise Marie Justine Bergon vom Orden Sœurs de Notre-Dame de l'Immaculée-Conception (Schwestern unserer Lieben Frau von der Unbefleckten Empfängnis). Sie war während der deutschen Besatzung Frankreichs Direktorin des katholischen Internats Notre-Dame de Massip in der Kleinstadt Capdenac im Zentralmassiv, wo sie am 6. April 1912 auch geboren worden war. Ab Dezember 1942 beherbergte sie dort etwa 80 jüdische Kinder, deren Eltern deportiert worden waren oder sich vor dem Vichy-Regime oder der deutschen Besatzungsmacht versteckten. Sie verbarg außerdem elf Erwachsene in der Schule und vermittelte mehreren jüdischen Familien Unterschlupfmöglichkeiten.
5.000 Untergetauchte auf dem Plateau von Chambon-sur-Lignon
Der für Capdenac zuständige Erzbischof von Toulouse, Jules Saliège, unterstützte sie. Die Kinder in Notre-Dame de Massip erhielten falsche Papiere und christliche Identitäten. Nur vier Ordensschwestern waren eingeweiht, dass es sich um Juden handelte. Soweit möglich, half Denise Bergon den Kindern auch beim Aufrechterhalten der Kontakte zu ihren versteckt lebenden Eltern und begleitete sie in deren Verstecke. Der Service André schickte seine Schützlinge auch nach Chambon-sur-Lignon. Von Dezember 1940 bis September 1944 gewährten die rund 5.000 Einwohner dieses Orts und die etwa 24.000 Bewohner des umliegenden Plateaus rund 5.000 Menschen Zuflucht. Schätzungsweise 3.000 bis 500 von ihnen waren Juden, die vor den Vichy-Behörden und den Deutschen geflohen waren. Andere Flüchtlinge schickte der Service André ins Ausland.
Ein „großer Rabbiner mit schwarzem Bart“
1942 besetzte die Wehrmacht auch die „Freie Zone“. Nach der Landung von Amerikanern und Briten in Französisch-Nordafrika, traute Adolf Hitler es dem verbündeten Vichy-Regime nicht zu, die Mittelmeerküste gegen eine mögliche Alliierte Landung zu verteidigen. Am 14. März 1943 wurden Lemaire und Bass verhaftet, nachdem ein Anhänger des Regimes sie bei den Behörden denunziert hatte. Kurz zuvor war es dem Pastor noch gelungen, ein acht Monate altes Kind aus dem Gefängnis zu retten, in dem es mit 13 seiner Angehörigen festgehalten wurde. Joseph Bass gelang die Flucht. Jean Lemaire, der sich nicht verstecken wollte, wurde in derselben Zelle wie die verhafteten Juden im Gefängnis von Saint-Pierre eingesperrt. Er stärkte ihre Moral und betete mit ihnen am Sabbat. Francine Weil war zusammen mit ihren Großeltern, den Abravanels, verhaftet worden und hatte sich mit Keuchhusten angesteckt. Dank Lemaires energischem Eingreifen wurde sie ins Krankenhaus gebracht, von wo aus sie von Widerstandskämpfern befreit wurde. Sie erinnerte sich später an Jean Sévérain Lemaire als einen „großen Rabbiner mit schwarzem Bart“. Francine Weil schützte auch einen Juden, der mit in der Zelle saß und von anderen Häftlingen verdächtigt wurde, ein Informant zu sein.
Nach Mauthausen und Dachau
Zunächst schickte die Gestapo den Pastor nach Norden in das Lager Compiègne-Royallieu nicht weit von Paris. Am 6. April 1944 wurde er mit 1.488 Leidensgenossen in überfüllten Güterwaggons zusammengepfercht im Transportzug in Richtung KZ Mauthausen geschickt. Es herrschten katastrophale hygienische Verhältnisse bei diesem letzten Transport auf dieser Strecke. Die rund 1.000 Kilometer weite Fahrt dauerte zweieinhalb Tage. Nachdem die Neuankömmlinge im KZ registriert waren, wurde Jean Sévérain Lemaire mit rund 1.400 anderen in das etwa 80 Kilometer entfernte Kommando Melk geschickt. Dort wurden alle dem Projekt „Quarz“ zugeteilt. Dabei handelte es sich um den Bau einer riesigen unterirdischen Stollenanlage im Quarzsandstein für eine Fabrik von Steyr-Daimler-Puch zur Produktion von Kugellagern. Die Arbeitsbedingungen in diesen Stollen galten als extrem hart und lebensgefährlich. Am 29. November 1944 musste Jean Sévérain von Melk ins Konzentrationslager Dachau. Zwei Tage lang dauerte die Fahrt über die nicht einmal 350 Kilometer im Chaos der letzten Phase des Krieges. Knapp fünf Monate KZ-Haft hatte der Pastor noch zu überstehen. Berichten zufolge blieb er auch in der Haft seinem Beruf als Seelsorger treu.
„Ich war erschüttert von der Judenverfolgung“
Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen das Lager. Am 21 Mai 1945 kehrte Jean Lemaire körperlich stark gezeichnet zunächst nach Paris zurück. In Marseille erfuhr er, dass keiner der dort in der Zelle mit ihm inhaftierten Juden noch am Leben war. Er nahm seine Tätigkeit in der Stadt wieder auf und sagte über das Motiv seiner Taten einmal „Ich war stets gegen die Ideen und Handlungen der damaligen französischen Regierung, die meiner Ansicht nach – prinzipiell und größtenteils aufgrund von Beweisen – den christlichen Werten und den Evangelien widersprachen. Ich war besonders erschüttert von der zunehmenden Judenverfolgung, die mit der Verfolgung ausländischer Juden begann. Ich konnte nicht länger tatenlos zusehen, ohne den Gejagten, deren Zahl stetig wuchs, aktiv zu helfen. Ende 1941 nahm ich Kontakt zu Joseph Bass auf und erfuhr von der von ihm gegründeten Organisation, die den Verfolgten – ob Kinder, wehrfähige Männer oder ältere Menschen – half. Diese Arbeit hielt ich für gerechtfertigt und beschloss, sie nach Kräften zu unterstützen. Wir pflegten zahlreiche Kontakte zu christlichen und jüdischen Organisationen… Wir gründeten in Marseille und im gesamten südlichen Mittelmeerraum eine Organisation, in der Protestanten, Katholiken und Juden verschiedenster Glaubensrichtungen brüderlich zusammenarbeiteten… Wir halfen vielen Menschen, Verhaftung und Deportation zu entgehen, indem wir sie entweder versteckten oder ihre Einreise in die italienische Zone oder ins Ausland organisierten oder sie in vom Maquis kontrollierte Gebiete führten“.
Am 19. Februar 1976 erkannte Yad Vashem Jean Séverin Lemaire als Gerechten unter den Völkern an. Er starb am 20. Dezember 1985 in Marseille.
Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link
Quellen:
https://collections.yadvashem.org/en/righteous/4042873
https://www.ifcj.org/news/fellowship-blog/from-pastor-to-prisoner
https://encyclopedia.ushmm.org/content/fr/article/le-chambon-sur-lignon
https://mvr.asso.fr/lemaire/
https://www.holocaustrescue.org/clergy-who-aided-jews-in-france
https://yadvashem-france.org/dossier/nom/1807/
https://de.wikipedia.org/wiki/Denise_Bergon
https://campmauthausen.org/2024/03/compiegne-6-avril-80eme-anniversaire/
https://www.holocaustrescue.org/quotes-french-rescue-and-relief
https://yadvashem-france.org/dossier/nom/1807/
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